Management by Wolf – Was lernt die Fhrungskraft von Wölfen?

Howling Wolf

Tiere sind faszinierende Geschöpfe und ich bin felsenfest überzeugt, dass die menschliche Gattung sehr viel aus der Tierwelt lernen kann. Dies wohl allgemein aber natürlich auch, wie wir in der Arbeitswelt mit Menschen umgehen und Menschen führen, sei dies fachlich oder menschlich.

Heute: Der Wolf

Mit welchen Attributen verbinden wir den Wolf? Ein stolzes und schlaues Wesen? Ein böses, allenfalls gewalttätiges Tier mit scharfen Fangzähnen welches auf immer auf der Jagd nach Beute ist?

Das Sozialgefüge

Im Sozialgefüge des Wolfsrudels bestehen zwei hierarchische Strukturen: eine für die Weibchen und eine für die Männchen. An der Spitze dieser Hierarchien stehen der Leitwolf und die Leitwölfin. Besonders herausragend ist die Position des Betamännchens, gefolgt von den anderen Mitgliedern des Rudels, die einen gewissen Abstand halten. Die untersten Ränge sind den Tieren vorbehalten, die ein hartes Leben führen. Wölfe werden oft aus dem Rudel ausgestossen, und einige von ihnen schliessen sich paarweise zusammen, um zu überleben, da ein einsamer Wolf nur geringe Überlebenschancen hat.

Die Rollen

Die Rollen des Leitwolfs und des Betamännchens sind in erstaunlicher Weise aufgeteilt. Das Betamännchen sorgt dafür, dass die Gruppenregeln eingehalten werden und handelt dabei recht streng. Bei Fehlverhalten greift es sofort ein, zeigt Drohverhalten und ergreift notfalls auch Massnahmen. Auf den ersten Blick könnte man es für den strengen Chef halten, der die Kontrolle hat. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Der Leitwolf

Der wahre Leitwolf verhält sich gegenüber den Rudelmitgliedern völlig anders. Er ist der “freundlich tolerante Mittelpunkt des Rudels”. Seine Rolle besteht darin, zu führen, eine positive Atmosphäre zu schaffen und das Rudel zusammenzuhalten. Es liegt in seiner Verantwortung, sicherzustellen, dass das Rudel überlebt. Im Winter, wenn die Nahrung knapp ist, begibt sich der Leitwolf alleine auf die Jagd, um Beutetiere zu finden, während die anderen im Unterschlupf bleiben und auf seine Rückkehr oder den Ruf zur Jagd warten. Die Leitwölfe setzen sich bis an ihre Grenzen ein, um das Überleben des Rudels zu gewährleisten.

Leitwölfe haben die Loyalität aller Rudelmitglieder in der Wildnis nötig, und diese Loyalität entsteht nicht durch Einschüchterung und Schikanen. Gleichzeitig ist es Aufgabe des Betamännchens, für Disziplin innerhalb des Rudels zu sorgen, was es jedoch nicht gerade beliebt macht. Der Leitwolf schützt es dennoch, da ein aufbegehrendes Rudelmitglied zuerst das Betamännchen herausfordert, bevor es sich dem Leitwolf zuwendet.

Konflikte

Wenn Konflikte nicht auf herkömmliche Weise beigelegt werden können, greift der Leitwolf ein, ohne jedoch Partei zu ergreifen. Stattdessen versucht er zu deeskalieren und fordert den stärkeren Wolf zum Spiel auf, was oft zur Entspannung der Situation führt.

Leitwölfe treffen Entscheidungen im Rudel auf konsensorientierte Weise, wobei der Leitwolf aufgrund seiner Position den stärksten Einfluss ausübt. Spezialisten können je nach Situation mehr Einfluss auf die Entscheidungsfindung haben, beispielsweise beim Aufspüren von Beutetieren oder beim Überqueren von Flüssen.

Während Jagdausflügen suchen die Rudelmitglieder in der Nähe des Leitwolfs Schutz. Bei grösseren Beutetieren kann es zu Aufgabenteilungen kommen, wobei einige die Beute treiben und andere im Hinterhalt lauern. Während Wanderungen führt meist der Leitwolf, aber nicht immer. Im Tiefschnee kann das Betamännchen beispielsweise die Führung übernehmen, während der Leitwolf in der Mitte des Rudels läuft. Wenn der Leitwolf Bedenken hat, eilt er an die Spitze und fordert sein Stellvertreter spielerisch auf, ihm zu folgen, anstatt ihn autoritär zu drängen.

Wie führt der Leitwolf?

Ein Leitwolf kann nur für begrenzte Zeit die Führung behalten, da immer neue Jungwölfe nachrücken. Ein Rudel kann auch von aussen übernommen werden, um frische Gene einzubringen und den Bestand langfristig zu sichern. Hormonschwankungen beeinflussen die Hierarchie im Rudel, insbesondere im Herbst, wenn Aggressionen zunehmen und die Karten der Hierarchie neu gemischt werden.

Ein Leitwolf kann sich niemals auf seine Vergangenheit oder die Loyalität seiner Rudelmitglieder verlassen. Schwäche führt zur Entthronung. In der Wildnis ist Stärke entscheidend, um die Position zu behaupten. Herausforderer müssen den aktuellen Leitwolf besiegen, um die Führung zu übernehmen und das Rudel zu führen.

In Gefangenschaft verhalten sich Wölfe oft anders, da sie keine harten Lebensbedingungen bewältigen müssen und ihre Hierarchie leichter entgleisen kann. Die Bedingungen in der Wildnis erfordern Kooperation, während in Gefangenschaft ein tyrannisches Verhalten des Leitwolfs beobachtet werden kann.

Was können wir auf das Geschäft und Führung ummünzen?

Im Geschäftsleben lassen sich einige Erkenntnisse aus dem Verhalten der Wölfe ableiten:

  • Führen Sie mit verteilten Rollen, bei denen eine Person für unangenehme Aufgaben verantwortlich ist, während eine andere die Mitarbeiterbindung und das Vertrauen aufbaut.
  • Die ideale Nummer zwei sollte im Schatten von Nummer eins aufblühen und ihre Qualitäten wie Loyalität, Genauigkeit und Fachwissen konsequent einsetzen.
  • Ein Leitwolf muss in der Lage sein, sich gegen Konkurrenten zu behaupten und Konflikte zu lösen.
  • Vermeiden Sie, dass ein Betamännchen per se zum Chef wird, da es sich in dieser Rolle nicht automatisch bewähren wird.
  • Sorgen Sie dafür, dass Führungskräfte in menschlichen Organisationen eine Verantwortung für das Arbeitsklima übernehmen und einen kooperativen Führungsstil pflegen.

Die Erkenntnisse aus dem Verhalten der Wölfe können wertvolle Anregungen für effektive Führung und Zusammenarbeit in menschlichen Organisationen bieten.

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